Macht ohne Muskeln: Warum bei Hyänen die Frauen dominieren

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Von Oliver Höner und Eve Davidian

In vielen Tiergesellschaften gibt es eine klare Hierarchie der Geschlechter. Dominiert dabei immer das aggressivere oder stärkere Geschlecht, wie allgemein angenommen wird? Nein! Zumindest bei Tüpfelhyänen dominieren die Weibchen, weil sie auf größere Unterstützung durch Artgenossen zählen können. Unterschiede in individuellen Eigenschaften wie Aggressivität oder körperliche Stärke spielen keine Rolle.

Tüpfelhyänenmännchen erhalten weniger soziale Unterstützung als ihre weiblichen Artgenossen, weil sie häufiger den Clan wechseln und dabei ihre sozialen Bindungen verlieren. Dies sind die Ergebnisse unserer neuesten, zusammen mit François Rousset vom Institut des Sciences de l’Evolution de Montpellier (ISEM) in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlichen Studie.

Tüpfelhyänenweibchen gelten als Paradebeispiel für mächtige und aggressive Weibchen. Sie sind schwerer als die Männchen, haben stark vermännlichte äußere Genitalien („Pseudohoden“ und einen „Pseudopenis“) und nehmen in der Regel die höchste Position in der Gesellschaft ein. Doch ist es nicht ihre Männlichkeit, die sie ihre männlichen Artgenossen dominieren lässt.

Wenn zwei Hyänen streiten, gewinnt diejenige, die auf mehr soziale Unterstützung zählen kann – unabhängig von Geschlecht, Gröβe oder Aggressivität. Dies gilt für nahezu alle Auseinandersetzungen in allen denkbaren Kontexten – zwischen im Clan geborenen und zugewanderten Hyänen, zwischen Tieren aus demselben oder verschiedenen Clans und zwischen Individuen gleichen sowie verschiedenen Geschlechts.

Die Dominanz der Weibchen liegt also darin begründet, dass sie auf größere soziale Unterstützung zählen können als die Männchen. Faszinierenderweise wirkt soziale Unterstützung auch dann, wenn keine anderen Hyänen anwesend sind oder sich niemand einmischt. Letztlich ist das Selbstbewusstsein entscheidend, also wie sicher sich jede Hyäne ist, Unterstützung zu erhalten wenn sie diese braucht.

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Für die Studie werteten wir 4133 Auseinandersetzungen zwischen 748 Tüpfelhyänen aus den acht Clans des Ngorongoro-Kraters in Tansania über einen Zeitraum von 21 Jahren aus. Um die Anzahl möglicher Unterstützer zweier Kontrahenten zu ermitteln, entwickelten wir einen Algorithmus, der für jedes Clanmitglied bestimmte, welchen der beiden Kontrahenten es unterstützen würde.

Der Algorithmus beruht auf vielen Beobachtungen von aktiver Unterstützung und auf den Verwandtschaftsgraden aller Clanmitglieder zueinander. Unser genetischer Stammbaum der Tüpfelhyänen des Ngorongoro-Kraters gehört zu den umfassendsten Stammbäumen wildlebender Säugetierpopulationen.

Klare Dominanzverhältnisse

Männliche und weibliche Hyänen können sich durchschnittlich in den meisten Situationen auf gleich große soziale Unterstützung verlassen und dominieren daher gleich viele Auseinandersetzungen mit dem anderen Geschlecht. Die einzige Ausnahme: wenn im Clan geborene Tiere mit zugewanderten Tieren interagieren. Die Hyänengesellschaft ist stark von Vetternwirtschaft geprägt, unterstützt werden also in erster Linie nahe Verwandte. Einheimische Clanmitglieder leben mit ihren Angehörigen zusammen und haben einen Vorteil gegenüber Zugewanderten, denn diese verlieren ihre sozialen Bande, wenn sie ihren angestammten Clan verlassen. Und weil die meisten Einwanderer Männchen sind, dominieren bei solchen Auseinandersetzungen fast immer die Weibchen.

Das Ausmaß der Weibchen-Dominanz bei Tüpfelhyänen hängt also von der Migrationsneigung der beiden Geschlechter und der demographischen Struktur der Clans ab. Wenn ein Clan einen hohen Anteil zugewanderter Männchen aufweist, ist die Herrschaft der Weibchen fast absolut. Gibt es viele einheimische Männchen, gewinnen Männchen statistisch ebenso häufig Auseinandersetzungen wie Weibchen und die Geschlechter sind gleichermaßen dominant.

Folgerungen der Studie:

Zu wissen, was soziale Dominanz und Geschlechterhierarchien verursacht, hilft uns, besser zu verstehen, wie Reproduktionsstrategien, Geschlechterrollen und Geschlechterkonflikte entstehen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Dominanz eines Geschlechts keine direkte Folge des Geschlechts oder geschlechtsspezifischer individueller Eigenschaften sein muss, sondern vom sozialen Umfeld abhängen kann.

Die Erkenntnis, dass soziale Unterstützung eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Dominanz einnimmt, trägt zu einem vertieften Verständnis für die sozialen Auswirkungen von Vetternwirtschaft, politischen Allianzen sowie von Migration in tierischen und menschlichen Gesellschaften bei.


Originalartikel

Vullioud C*, Davidian E*, Wachter B, Rousset F, Courtiol A*, Höner OP* (2018) Social support drives female dominance in the spotted hyaena. Nature Ecology & Evolution. *trugen gleich viel bei

In den Medien

Das Hyänen-Phänomen. Die Macht des sozialen Netzwerks. Kerstin Viering, Berliner Zeitung, 19. November 2018.

Mehr Macht durch Freunde. Barbara Reye, Tagesanzeiger, 19. November 2018.

Weitere Informationen

Davidian E, Courtiol A, Wachter B, Hofer H, Höner OP (2016) Why do some males choose to breed at home when most other males disperse? Science Advances 2 e1501236.

Höner OP, Wachter B, East ML, Streich WJ, Wilhelm K, Burke T, Hofer H (2007) Female mate-choice drives the evolution of male-biased dispersal in a social mammal. Nature 448: 798-801.

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Fressen oder sich paaren, das ist hier die Frage

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Von Eve Davidian

Das ultimative Ziel aller lebenden Organismen ist es, sich fortzupflanzen. Um sich aber paaren zu können, muss man erst einmal lange genug überleben – und dafür muss man (fr)essen. Je mehr desto besser? Nun ja, eine gute Ernährung macht gesund, gibt Kraft und erhöht dadurch die Chancen beim anderen Geschlecht. Aber übermäßiges und gieriges Schlemmen kann auch von Nachteil sein.

So passierte es neulich Jage, einem Männchen aus dem Ngoitokitok Clan. Er wollte alles auf einmal: eine ausgiebige Mahlzeit und den Erfolg bei einem Hyänenweibchen. Am Ende musste er am eigenen Leib erfahren, dass man sich manchmal im Leben für eine Sache entscheiden muss. Nach monatelangem Werben gewann Jage die Gunst eines jungen, hochrangigen Weibchens seines Clans: Uvumiliva, „die Geduldige“ (Suaheli), war die Auserwählte. Aber es gab einen Haken: Jage hatte kurz zuvor kräftig gefuttert und sein Bauch war so prall gefüllt, dass er hinderlich war und Jage seine lang ersehnte Chance nicht ergreifen konnte.

Man muss dafür wissen, dass die Paarung für Tüpfelhyänen-Männchen auch unter normalen Umständen ein schwieriges Unterfangen ist. Das hat anatomische Gründe. Bei den Weibchen der Tüpfelhyänen ist die Klitoris stark verlängert und zu einem engen sogenannten Pseudopenis geformt. Eine erfolgreiche Paarung erfordert deshalb die volle Kooperation des Weibchens: sie muss dabei ruhig stehen, ihren Kopf senken und den Pseupopenis einziehen. Aber auch bei der vollen Bereitschaft des Weibchens braucht das Männchen akrobatische Fähigkeiten, um erfolgreich zu sein. Die meisten Männchen benötigen viel Zeit und Übung, bis sie den Ablauf beherrschen. Männchen mit wenig Erfahrung sind meist ungeschickt und stellen die Geduld der Weibchen auf eine harte Probe.

An jenem Tag nahm Jage die Herausforderung an. Doch egal, wie sehr er hampelte und wackelte, seine riesige, vollgefressene Wampe versperrte ihm den Weg. Nach kurzer Zeit war Jage völlig erschöpft. Man stelle sich vor, man muss einen Marathon rennen und währenddessen ins Schwarze einer kleinen Zielscheibe treffen – und all dies, nachdem man sich bei der Party des besten Freundes den Bauch vollgeschlagen hat! Der Tag war heiss und Jage strengte sich sehr an. Er musste regelmäβig Pausen einlegen, um wieder zu Atem zu kommen. Uvumiliva, „die Geduldige“, war während der ganzen Zeit äusserst kooperativ. Aber würde das ausreichen?

Es war wahrlich nicht Jages bester Tag. In einem Moment der Schwäche versuchte er sogar, jemand anderen für sein Elend verantwortlich zu machen. Einer seiner Rivalen, Nyemeleo, der im Shamba Clan geboren und kürzlich in den Ngoitokitok Clan eingewandert war, beäugte das Paar bei seinen Bemühungen. Doch Nyemeleo war natürlich nicht der Grund für Jages Leid, denn er hielt sich vornehm zurück. Nyemeleos Interesse an dem Paar könnte man zwar als unehrenhaft bezeichnen. Wahrscheinlich wollte er aber einfach nur seinen durchtrainierten Körper und perfekt geformten Bauch zur Schau stellen, in der Hoffnung, dass Uvumiliva ihre Meinung ändern und ihn dem plump-pummeligen Rivalen Jage vorziehen würde. Nyemeleos Anwesenheit beeinträchtigte jedoch offensichtlich Jages Anstrengungen, sich auf sein Ziel zu konzentrieren.

Verliebte Hyänen mögen es nämlich gern diskret und ziehen sich zur Zweisamkeit lieber in abgelegene Gebiete ihres Territoriums zurück. Nach stundenlanger Beobachtung der Szene (aus rein wissenschaftlichem Interesse natürlich!) mussten wir das Trio leider verlassen. Wir drückten Jage wirklich die Daumen, hatten jedoch wenig Hoffnung, dass die Geschichte an dem Tag noch zu einem guten Ende kommen würde.

Knapp vier Monate später – der durchschnittlichen Tragzeit bei Tüpfelhyänen – waren wir gespannt auf das Ergebnis. Wir warteten aber leider vergeblich darauf, dass Uvumiliva als Ergebnis jenes anstrengenden Tages kleine schwarze Jungtiere zur Welt bringen würde. Damit war klar, dass Jages Bemühungen im wahrsten Sinne nicht gefruchtet hatten und dass auch Nyemeleo keine Gelegenheit erhalten hatte, seine Fähigkeiten als Liebhaber unter Beweis zu stellen. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass Jage eine Lehre aus dieser unglücklichen Wendung der Ereignisse gezogen hat und sich in Zukunft zweimal überlegen wird, ob er sich den Magen wieder so voll schlägt.

Die Moral der Geschichte: Weniger (essen) ist manchmal mehr (Liebe).

Hier geht’s zum Video mit Jages Fehlversuchen:

Verliebt sein ist auch für Hyänenmännchen nicht immer einfach

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Von Eve Davidian

Hat ein Tüpfelhyänen-Männchen einmal richtig Feuer für ein Weibchen gefangen, kann es sehr hartnäckig sein. Es folgt dem Weibchen auf Schritt und Tritt, sich nur wenige Meter von ihm hinlegen wenn es sich ausruht, es beobachten, wenn es eine Bewegung macht, und ihm folgen, wenn es aufsteht und woanders hinläuft. Dies kann so weit gehen, dass das Männchen regelrecht zum Stalker wird. Männchen verfolgen diese durchaus anstrengende Strategie, um zu ihrem auserwählten Weibchen eine freundliche Beziehung aufzubauen und zu pflegen – und mehr, falls das Weibchen Interesse zeigt… Nahe bei einem Weibchen zu verweilen erlaubt einem Männchen auch, Rivalen zu vertreiben, die dem Weibchen nahe kommen und ebenfalls eine Beziehung aufbauen wollen, oder das Weibchen zu verteidigen, wenn es von einem anderen Männchen belästigt wird – aggressive Belästigungen durch Männchen gibt es immer wieder, doch ist diese Taktik im Gegensatz zu freundlichen Avancen alles andere als erfolgreich, denn Hyänenweibchen bevorzugen freundliche Männchen als Väter ihrer Nachkommen.

Vor einiger Zeit war Kondo, eines der Männchen des Ngoitokitok-Clans, sehr an dem Weibchen Aiba interessiert und folgte ihm überall hin. Aiba schien kein Problem damit zu haben, diesen nicht mehr ganz jungen Kerl dauernd um sich zu haben, und eigentlich waren sie ein recht süßes Paar, wenn sie nahe beieinander auf ihrem Rastplatz schliefen. Eines Tages beobachteten wir zufällig, wie Aiba aufstand und sich vom Rastplatz entfernte – und damit auch von Kondo. Dieser befand sich zu dem Zeitpunkt im Tiefschlaf und merkte nichts vom Verschwinden seiner Freundin. 15 Minuten später jedoch erwachte er und überprüfte sofort intensiv die Stelle, an der Aiba gelegen hatte. Als er realisierte, dass sie nicht mehr da war, schnüffelte er den Boden ab, um ihre Spur aufzunehmen. Er sah in der Tat äußerst nervös aus, wie er so umherrannte und schnüffelnd nach Hinweisen suchte, die Ohren spitzte und wieder weiterrannte… Es war offensichtlich, dass er verzweifelt auf der Suche nach ihr war.

Wir hatten Mitleid mit ihm und versuchten, ihm Hinweise zu geben, wohin seine Auserwählte gelaufen war, aber er schenkte uns keinerlei Beachtung, sondern war einzig und allein darauf fixiert, die Fährte von Aiba aufzunehmen. Unglücklicherweise entschied er sich für die falsche Richtung und hatte sie auch nach einer Stunde intensiver Suche nicht gefunden. Der Arme hatte alles auf dieses bestimmte Weibchen gesetzt und sich seit mehr als zwei Wochen um es bemüht. Würde er sie nicht bald finden, würde er noch einmal von Neuem anfangen und ein anderes Weibchen beschatten müssen. Aber keine Sorge! Als wir Kondo drei Tage später wiedersahen, war er wieder mit Aiba vereint. Es scheint, als ob Aiba Kondo seinen Mangel an Aufmerksamkeit letzten Endes nicht übel genommen hat.

Hier sieht man, wie ein Männchen aussieht, das verzweifelt seine Angebetete sucht:

Bei Tüpfelhyänen sind Nesthocker keine Verlierer!

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Von Eve Davidian und Oliver Höner

Männchen, die zu Hause bleiben, müssen keine Zweite-Klasse-Männchen sein, sondern können genauso viele Nachkommen zeugen wie ihre Abenteuer lustigen, abwandernden Kollegen. Die Ergebnisse unserer neuesten Studie an den Tüpfelhyänen des Ngorongoro-Kraters wurden gestern in dem frei zugänglichen online-Fachjournal Science Advances veröffentlicht.

Bei den meisten Säugetieren gibt es Männchen, die zu Hause bleiben und solche, die abwandern und sich anderswo fortpflanzen. Nesthocker gelten gemeinhin als Verlierertypen, die weniger Nachkommen zeugen, weil sie die zusätzlichen Risiken scheuen, die mit einer Abwanderung üblicher Weise verbunden sind.

Unsere Studie zeigt erstmalig bei einem gruppenlebenden Säugetier, dass daheimgebliebene Männchen und Abwanderer einen ähnlichen Erfolg bei den Weibchen haben. Wir zeigen zudem, dass die Entscheidung, ob Abwandern oder zu Hause bleiben, das Ergebnis eines individuellen Prozesses ist, bei dem alle Männchen die gleiche Frage beantworten: In welcher Gruppe habe ich den größten Fortpflanzungserfolg?  Ob ein junges Männchen zu Hause bleibt oder abwandert, hängt in erster Linie davon ab, ob die Geburtsgruppe oder eine andere Gruppe mehr junge Weibchen enthält.

Blick über den Krater vom KraterrandFür die Studie untersuchten wir während 20 Jahren die gesamte Tüpfelhyänenpopulation des Ngorongoro-Kraters. Wir zeichneten demographische Daten der acht Clans auf und verknüpften diese mit Daten zu Auswanderungsverhalten, Gruppenwahl, Überlebensdauer und Fortpflanzungserfolg von über 250 Hyänenmännchen.

Welche Gruppe am meisten junge Weibchen enthält, hängt bei natürlichen Populationen von Zufallsereignissen und Umwelteinflüssen ab. Bei einer Population mit mehr als zwei Gruppen enthält die Geburtsgruppe seltener die meisten jungen Weibchen. Wie erwartet, wanderten die meisten Hyänenmännchen des Ngorongoro-Kraters aus ihrer Geburtsgruppe ab. Insgesamt blieben jedoch mehr Männchen zu Hause, als aufgrund der Verteilung der jungen Weibchen zu erwarten war. Dies deutet darauf hin, dass Nesthocker Vorteile genießen.

Die größten Vorteile verschaffen den Nesthockern ihre Mütter. Im matriarchalischen System der Tüpfelhyänen beeinflussen Weibchen den Wettbewerb der Männchen. Sie unterstützen ihre daheimgebliebenen Söhne und sorgen dafür, dass diese einen hohen sozialen Rang in der Rangfolge der Männchen erlangen. Dadurch haben die Nesthocker privilegierten Zugang zu Ressourcen und Weibchen und können viel Zeit in den Aufbau von Beziehungen zu Weibchen investieren. Das zahlt sich aus, denn Nesthocker zeugen ihre ersten Nachkommen früher als Abwanderer und paaren sich fast ausschließlich mit ranghohen Weibchen. Den Weibchen also, die ihre Jungen besonders erfolgreich aufziehen. Damit wiesen wir zum ersten Mal bei einem gruppenlebenden Säugetier empirisch nach, dass Nesthocker mindestens so erfolgreich sein können wie Abwanderer.

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Abwanderung ist ein Schlüsselfaktor ökologischer und evolutionärer Prozesse. Bisher fand die Wissenschaft jedoch keine befriedigende Erklärung dafür, weshalb sich Individuen desselben Geschlechtes einer Art in ihrer Abwanderungstendenz unterscheiden. Die Ergebnisse dieser Langzeitstudie liefern dazu neue Erkenntnisse und tragen zum Verständnis der Prozesse bei, die zur Koexistenz von Ortstreue und Abwanderung im gleichen Geschlecht führen.


Weitere Informationen

Davidian E, Courtiol A, Wachter B, Hofer H, Höner OP (2016) Why do some males choose to breed at home when most other males disperse? Science Advances 2 e1501236.

Roland Knauer (2016) Auch Stubenhocker haben gute Chancen. Stuttgarter Zeitung, 18. März.

Stefanie Michel (2016) Der Sex Appeal großer Jungs, die bei Mama bleiben. Interview mit Oliver Höner. Welt, 17. November.

Drillinge haben überlebt!

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Von Oliver Höner

Genetische Analysen bestätigten kürzlich, dass im Forest-Clan ein Drillingswurf bis zum Erwachsenenalter überlebte. Dies ist erst der dritte jemals dokumentierte Fall einer erfolgreichen Drillingsaufzucht bei Tüpfelhyänen!

Dass es Hyänenmütter in freier Wildbahn schaffen, alle drei Jungtiere bis ins Erwachsenenalter von ca. zwei Jahren großzuziehen, ist so selten und erstaunlich, weil Tüpfelhyänenweibchen nur sehr selten Drillinge gebären, und sie nur zwei funktionstüchtige Zitzen besitzen. Mütter von drei Jungen benötigen deshalb außerordentliches Organisationstalent, damit jedes Junge genügend Zeit zum Säugen erhält. Manche Mütter teilen die Jungen sogar zeitweise auf zwei verschiedene Baue auf.

Bei unseren neuesten Drillingen ist die Mutter Mwanga, das ehemalige Alpha-Weibchen des Forest Clans. Die beiden ersten Drillingswürfe wurden ebenfalls im Ngorongoro-Krater, beide von Kiwanda, dem ehemaligen Alpha-Weibchen des Ngoitokitok-Clans, großgezogen. Die Bestätigung der Mutterschaft bei allen drei Jungen mittels genetischer Daten ist wichtig, weil Hyänenmütter in seltenen Fällen Junge von anderen Weibchen adoptieren.

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Die Vaterschaft der drei Jungtiere konnten wir ebenfalls bestimmen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Drillingswürfen stammen Mwangas Drillinge nicht von einem einzelnen Vater sondern von zwei verschiedenen Vätern ab. Dies stimmt mit unseren Beobachtungen bei Zwillingswürfen überein, bei denen zwar 84 % der Würfe von einem einzelnen Männchen gezeugt werden, 16 % jedoch von zwei verschiedenen Männchen. Diese Ergebnisse sind sehr interessant für unsere Studie über weibliche Partnerwahl und männliche Fortpflanzungstaktiken- und erfolge!

Wildhunde zurück im Krater!

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Von Oliver Höner

Nach mehr als 30 Jahren wurden heute zum ersten Mal wieder Wildhunde im Ngorongoro-Krater gesichtet! Eine Gruppe von vier kräftigen, erwachsenen Tieren durchstreifte das Gebiet des Forest-Clans im Westen des Kraterbodens.

Afrikanischer WildhundDas sind aufregende Nachrichten, denn Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus) waren im Serengeti-Ökosystem, von dem der Krater Teil ist, in den frühen 1990er Jahren fast ganz ausgestorben. Wildhunde leben in Rudeln mit komplexem Sozial- und Paarungssystem. Dieses unterscheidet sich deutlich von demjenigen aller anderen sozial lebenden Karnivoren, auch von demjenigen domestizierter, freilebender Hunde.

Einige der Eigenheiten des Sozialsystems Afrikanischer Wildhunde erschwert es ihnen, Gebiete mit wenig oder keinen anderen Wildhunden und stark aufgestückelte Gebiete wiederzubevölkern. Dies ist ein Grund, weshalb sie von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als ‚gefährdet‘ eingestuft werden (siehe Rote Liste der gefährdeten Arten der IUCN). Wildhunde werden auch noch immer von Menschen verfolgt, wenn diese sie als Gefahr für ihre Nutztiere betrachten. Zudem gibt es viele Hinweise darauf, dass auch invasive Behandlung wie Besenderung und Impfung nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit von Wildhunden haben und zum Tod ganzer Rudel führen kann.

Wir hoffen, dass sich die hochsozialen, schönen und athletischen Raubtiere im Krater wohl fühlen und für lange Zeit bleiben!

African wild dogs resting


Weitere Informationen:

Sozialsystem von Afrikanischen Wildhunden und nachteilige Auswirkungen von invasiver Behandlung und Impfung: Internetseite des Painted dog Research Trust und von African Wild Dog Watch (auf Englisch)

Wissenschaftliche Veröffentlichungen über Afrikanische Wildhunde und die Achillessehne von Sozialität, Allee-Effekte bei Gemeinschaftsbrütern, und mögliche ökologische Fallen (auf Englisch)